Schon vor einer Weile hatte ich mit Tim die Idee, in meinem Zimmer einen Strand zu bauen. Aus Sand und Zeitmangel ließen wir es dabei, einen schönen Gedanken gehabt zu haben.

Nun ist es Winter. Dazu auch noch ein ganz komischer Winter, der nicht mal Lust auf Winter macht.Es war also wieder an der Zeit die Sache selber in die Hand zu nehmen. Wenn draußen nichts los ist, und das Mittelmeer nunmal so weit weg ist - das wird sich selbst durch Kontinentalplattenverschiebung nicht so bald ändern - musste gehandelt werden.

Mini-Strand ohne viel Aufwand

Berechnungen ergaben, dass der Fußboden meines Zimmers der gewünschten Sandmenge nicht standhalten würde. Also fasste ich den Plan, einfach nur das Gefühl von Strand einzufangen.

Das Wichtigste ist der Sand, den man zwischen den Zehen und unter den Füßen spüren kann. Die Idee war also eine große Schale zu kaufen, sie mit Sand zu füllen, einen Liegestuhl zu besorgen und eine helle kräftige Lampe aufzustellen.

Nach einem Abendessen bei MC Donalds waren wir so gepusht, dass wir einfach zum Baumarkt fuhren, wo ich mir dann eine Schale mit 50cm Durchmesser und 25kg Quarzsand kauften. Als künstliche Sonne sollte ein Baustrahler mit 500Watt und standfestem Stativ einspringen. Wir fanden leider keinen Liegestuhl, der meinen Vorstellungen entsprach.

Es war eine dumme Idee

Als ich schon relativ spät wieder in meine Wohnung kam fing ich sofort mit dem Aufbau an. Auf dem Weg vom Parkplatz bis in die Wohnung hoffte ich die ganze Zeit niemandem zu begegnen. Mit meinen 30kg Fracht brauchte ich auch eine ganze Weile für die paar Meter. Für den Baustrahler hatte ich leider keinen passenden Schraubendreher und auch gar keine Lust, dieses komische Metallgitter vor der außen Lampe zu montieren. Schließlich will ich ja auch kein Gittermuster in der perfekten Halogenbräunung meines Körpers haben.

Der Sand war noch etwas kalt an den Füßen, aber dafür brannte die Lampe ganz schön auf mich ein. Als ich nach kurzem unbefriedigtem Test alles wieder abbaute kam mir das Licht meiner Zimmerbeleuchtung plötzlich viel zu dunkel vor. -> Besser eine Sonnenbrille aufsetzen, sonst geht noch was kaputt.

Ich wollte eigentlich noch ein wenig arbeiten, doch mein Strand ließ mich nicht los. Eine blöde Schüssel voll Sand, das kann doch nicht alles sein. Es war eine dumme Idee zu glauben, dass ich damit zufrieden wäre.

Das war mir zu wenig

Ich zerschnitt die Packung des Strahlers und klebte mit Duck-Tape eine 10cm hohe Begrenzung in eine Ecke meines Raumes. Es entstand ein kruckeliges Rechteck mit den Abmessungen 85cm x 190cm begrenzt durch eine Wand und meine Heizung. Die 25kg Quarzsand reichten gerade so, den Boden mit ein paar mm Sand zu bedecken. Die mobile Sonne richtete ich noch aus, dann platzierte ich mich schon auf einem kleinen Badehandtuch und genoss die Atmosphäre.

Ganz zufrieden war ich noch nicht. Der Boden war durch die viel zu dünne Sandauflage noch ziemlich hart.

"Ich fahre zum Baumarkt, brauchst du noch was?"

Ich wollte gerade etwas sinnvolles beginnen und die Hausaufgaben meiner Übungsgruppe korrigieren, als mich Tim anrief und fragte, ob ich noch etwas vom Baumarkt benötigen würde. Ich verwarf alles sinnvolle sofort und Träumte von einem schönen Strand mit so viel Sand, dass man sogar Sandburgen bauen könnte.

Ein paar Stunden und viel Geschleppe später zierte eine Zehntel-Tonne Sand den abgesteckten Bereich in meinem Zimmer. Es hatte leider geregnet und so musste der Sand erst einmal trocknen. Vorbei waren also meine schönen Pläne, diese Nacht am Strand zu verbringen.

"Ja, der Sand ist total ungefährlich."

Als ich nach dem Sport abends nach hause kam, erschrak ich über den eigenartigen Geruch in meinem Zimmer. Tja, der musste wohl von dem Sand kommen. Schnell das Fenster auf. Nachher ist der giftig, oder hört vielleicht nie auf zu stinken. Was sollte ich nur machen?

Ich entschloss mich noch einmal schnell bei den netten Leuten vom Baumarkt anzurufen und zu fragen, warum der Sand stinkt, ob das aufhört, ob der Sand gesundheitsschädlich ist und ob man sich da bedenkenlos reinlegen könnte. Meine Zweifel wurden von zwei kompetenten Mitarbeitern aufgehoben und es ist überhaupt kein Problem, sich da reinzulegen. Wer sich selbst überzeugen möchte, kann sich das illegal mitgeschnittene Telefonat anhören.

Pläne für die Zukunft

Als ich ein paar Mistudenten von meinem Strand berichtete und mich beklagte, dass der Sand so kalt sei hatte Ralf eine super Idee. Wenn man auf den Boden unter den Sand eine Heizdecke legt, kann man einen warmen sonnenbeschienenen Strand simulieren.

Um das richtige tropische Feeling zu bekommen, braucht man eigentlich auch ein paar Palmen. Der Ursprüngliche Strand (50cm Kübel) ist nun leer und könnte bepflanzt werden. Am Besten wäre eine Kokosnusspalme oder eine, die Bananen trägt.
Notfalls kaufe ich eine Palme und klebe die Bananen immer von Hand daran.

An die Wände müssen noch Poster vom Meer oder anderen Stränden.

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Es sind alle eingeladen, mir bei diesem Vorhaben zu helfen. Ich nehme Sachspenden (Poster, Heizdecken) und Geldspenden gerne entgegen. Leistungen anderer Art wie z.B. Tänze im Baströckchen nehme ich nur nach Auswahl eigesendeter Bewerbungen incl. Fotos entgegen. Dafür nehme ich diese Leistungen aber persönlich und sehr gerne in Empfang.

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Aktueller Stand vom Strand

30.01. Im Moment schaufel ich gerade ab und zu den Sand hin und her, damit er trocknet und aufhört zu stinken.

31.01. Meine rechte Hand tut weh. Ich habe zwei miese Druckstellen. Anscheinend ist mein Kehrblech nicht so die geeigneteste Sandschaufel.

31.01. Der Sand sieht heute morgen schon viel heller aus. Er scheint zu trocknen. Ich habe gerade eine Mail bekommen, dass die Hausverwaltung anregen will, dass wir Teppichboden bekommen. Das wäre natürlich blöde wenn die den hier verlegen wollen.

01.02. Um kurz vor 12:00 Uhr hat sich Tim per ICQ gemeldet:

tim: Na, was macht der Strand?
jan: Ich glaube ich habe den falschen Sand gekauft.
tim: Warum?
jan: Dieser hier scheint von einer Wanderdüne zu kommen. Überall im Zimmer knirscht es.

01.02 Auf der Suche nach einer Palme
An meinem Strand fehlt noch etwas Entscheidendes. Er sieht ziemlich nackt aus ohne eine Palme. Aber wo kann man eine schöne Palme bekommen? Ich habe mir die gelben Seiten geschnappt und mal nachgesehen. Bei dem darauffolgenden Telefonat habe ich erfahren, dass manche Leute es gar nicht komisch sondern cool finden, sich Sand ins Zimmer zu kippen. Weiterhin tragen Bananenbäume übrigens keine Bananen, man kann sie aber rauchen oder essen! Aus mit der Illusion. Wer sich selbst überzeugen möchte, kann hier lauschen.

 
 
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