Klettern an der Costa Blanca

 
Spanien
2007

Ostern
Widmung und Dank
Dieser Bericht ist meinem alten Kletterkumpanen Jan Sommerfeld gewidmet (vielleicht bist du ja mal wieder dabei?). Vielen Dank an Lucien für die Aufnahme und Bearbeitung der Fotos.

Urlaub im Regenloch Europas


Der Penon d'Ifach - das Wahrzeichen der Costa Blanca.

Wie die meisten wissen, bin ich Student. Und die meisten Studenten wissen auch, dass die schlimmste Zeit des Studiums die zwischen den Semesterferien ist. Besonders schlimm ist immer die erste Woche. Übereifrige Kommilitonen füllen die Mensa und die Gänge. Alle Vorlesungen sind wegen der ach so guten Vorsätze vollgestopft und man muss, wenn man mal etwas zu spät ist, auch noch vorne in Sicht- und Hörweite des Dozenten sitzen, da hinten alles belegt ist.

Also eigentlich schon genügend Argumente, diesem Rummel der ersten Tage in die Ferien zu entfliehen. Meine Lust auf gutes Wetter, besten Fels und fordernde Kletterabenteuer machte die Entscheidung perfekt. Zu sechst flogen wir nach Spanien an die Costa Blanca bei Alicante.


Yu vor einer harten Tour, die er gleich "dank seiner guten Schuhe" einfach hochläuft.

Die Truppe bestand diesmal aus Gabi und Ulrich, Chuck, Yu, Lucien und mir. Wir alle hatten schon diverse Informationen über das Wetter eingeholt, die sich zum Glück teilweise wiedersprachen. Die ersten vier Tage hatten wir richtig Schwein mit dem Wetter und es blieb trocken. Wie man allerdings an den beiden Kletter-Bildern sehen kann, schien bei uns leider nicht die Sonne und ab und zu mussten wir uns ducken, da die Wolken sehr niedrig vorbeizogen. Jeden Abend feuerten wir den kleinen Gasofen an, der unser schön eigerichtetes Häuschen mit Blick aufs Meer leider nur ansatzweise erwärmen konnte.


Unsere Villa, als mal nicht so viele Wolken am Himmel waren.

Wir hatten die ersten Tage nach dem niederschmetternden Wetterbericht schlechter erwartet und waren nun guter Dinge. Am ersten Tag erkundeten wir den Fels gleich in einer mehrere Seillängen langen Tour. Diese führte uns eines der beliebtesten Klettergebiete der Küste (Sierra de Toix) hinauf.


Am Ausstieg auf den Felsen der Sierra de Toix.

An einem anderen Tag hatten wir relativ gutes Wetter und wollten dieses Nutzen, indem wir alle auf den Penon steigen wollten. Der Penon ist der Klotz, den man gleich im ersten Bild sehen konnte. Er ist 325 Meter hoch und es sind dort viele schöne Touren zu finden. In den Jahren zuvor hatten Chuck und ich dort schon die Costa Blanca (6c+) und die El Navigante (7a) geklettert. Dieses Mal sollte es die Valencianos (5+) sein. Chuck startete mit Yu als erster und ich folgte mit Ulrich. Lucien und Gabi bildeten die dritte Seilschaft. Im Internet liest man, dass die dritte Seillänge ziemlich "poliert" ist. Das bedeutet, der Fels ist durch viele Begehungen abgenutzt und fast marmorartig poliert (Kletterdeutsch: speckig/abgespeckt). Gleichzeitig ist diese Seillänge auch die schwerste (Schlüsselseillänge) von allen. Lucien, der nach langjähriger Pause erst seit ein paar Wochen wieder kletterte, traute sich die schlecht abgesicherte Passage nicht im Vorstieg zu und so musste ich mit Ulrich warten und ihn an unserem Seil hinaufholen.
Durch diese Aktion und eine weitere schwere Stelle, die im oberen Teil Ulrich umkehren ließ, verbrachten wir eine ganze Weile in der Wand. Nach zwei Dritteln kommt man an einen Grat, über den ein ganz schöner Wind pfiff. Wir froren alle bis auf die Knochen und waren froh einige Zeit später den Ausstieg zu erreichen.
Chuck und Yu waren schon nach Hause gefahren, da sie nicht in der Kälte auf uns warten wollten. Vielleicht haben wir sogar einen neuen Rekord für die langsamste Begehung der Route aufgestellt.


Chuck auf dem Weg nach unten von einer Route bei bestem Fast-Schon-Regen.

Nach den ersten erfolgreichen Klettertagen gönnten wir unseren Fingerspitzen uns Zehen erst einmal einen Tag Ruhe. Leider sollte es nicht bei diesem einen Tag bleiben. Das Wetter änderte sich ein bisschen. Von nun an kam auch etwas aus den vielen Wolken heraus. Es regnete und war kalt (14°C bis 15°C). Ab und zu starteten wir noch klägliche Versuche zum Klettern zu kommen. Einmal war jedoch das Gebiet durch die immense Bebauung der Küste nicht mehr zugänglich und ein anderes Mal wurden wir nach der zweiten Route durch die strenge Hand des Regengotts vertrieben.
Ein bisschen zu klettern gelang uns dennoch und am letzten Tag konnten Chuck und ich eine längere Tour unternehmen. Wir kletterten in der Mascarat Schlucht die Triple Direct (6a+) mit dem Ausstieg von G.E.D.E.. Diese Tour verlangte einiges an Nerven, da sie oft an schlechtem Material oder eigenen Keilen und Schlingen abzusichern war. Größere Projekte konnten wir leider auch an diesem Tag nicht starten, da es sehr windig war. Nach der Tour querten wir über einen Grat nach unten. Der Wind wehte das Seil waagerecht über den Grat. Abseilen wäre bei diesen Verhältnissen nicht möglich gewesen.

Es bleibt nur noch zu sagen:

 
 
Kontakt | Index