Vol et volupté: ED-

09.08.2006: "Vol et volupté" - Tenailles des Mont Brison - ED- 6b max

Dieser Tag ist leider ein wenig von Startschwierigkeiten begleitet gewesen. Am Abend zuvor haben wir uns noch für die heutige Tour entschieden und dementsprechend einen Zeitplan aufgestellt, der ein für meinen Geschmack viel zu frühes Aufstehen vorsah :-).

Wie geplant sind wir um 6:30 Uhr aufgestanden und haben unsere Rucksäcke für die Klettertour gepackt. Um 7:15 Uhr (schon ein wenig hinter dem Plan) stellten wir fest, dass die Rezeption erst um 8:00 Uhr öffnet und der Bäcker erst um 7:45 Uhr Brot verkauft. Also haben wir frierend vor dem Zelt gewartet, am gedeckten Frühstückstisch gesessen, Espresso getrunken und um 7:45 Uhr einen zweiten Versuch beim Bäcker gestartet.

Auf dem Weg zu den Felsen sind wir erst am richtigen Abzweig vorbeigefahren, der aus einem ziemlich schotterigen Schotterweg bestand. Dieser Weg war mit Chucks Alfa GT leider nur im Schrittemo zu bewältigen. Vom Auto aus hatten wir noch mal einen Zustieg von ca. einer Stunde vor uns (den Zeitplan konnten wir nun sowieso vergessen).

Als wir an den Felsen ankamen, waren unsere T-Shirts ziemlich durchgeschwitzt und wir mussten sie erst einmal in die angenehm wärmende Sonne legen. Angesichts der netten Wetterverhältnisse entschieden wir uns in unserem zweiten Paar T-Schirts zu klettern und die dicken Fleece-Pullover am Einstieg zu lassen. Ein paar Stunden später erkannten wir diese Gewichtsersparnis als goßen Fehler und frohren ziemlich stark, da die Sonne hinter vielen Quellwolken verschwunden war. Ein weiterer Fehler war, Chucks T-Shirt unten in der Sonne liegen zu lassen, da sich während wir weg waren ein gefräßiges Murmeltier damit vergnügt hatte. Das T-Shirt bestand fast nur noch aus Löchern und diente fortan als Wischlappen.


Chuck beim Nachstieg in der ersten Seillänge

Ich stieg die erste Seillänge vor, Chuck die zweite, welche wir beide ziemlich komisch fanden, was wahrscheinlich auch daran lag, dass dies unsere erste Felstour in diesem Gestein war. Im weiteren Verlauf der zwölf Seillängen begegneten uns eher Reibungspassagen und die Route führte einen luftigen Felsrücken hinauf. Das Wetter formte bedrohliche Wolken und wir frohren eine ganze Menge, als wir einen kleinen Vorgipfel erreichten, von dem wir uns auf der anderen Seite ca. 30m abseilen mussten, um von einer Senke aus weiterklettern zu können.


Hinter mit der kleine Zwischengipfel, von dem ich gerade in den zweiten Routenteil quere

Die folgende Seillänge war eine 6b, die ich vorstieg. Es handelte sich um seitliche Taschen im Fels, die man hochpiazen musste. Durch die Steilheit und das viele Hängen in den Armen ging meine Kraft immer wieder schnell zu Ende und ich musste mich einige Male ins Seil hängen, um nach einer kleinen Pause weiterklettern zu können. Nach weiteren leichteren Abschnitten und einem beinahe wetterbedingten Abbruch der Route erreichten wir den Gipfel.


Chuck und ich auf dem Gipfel der Tenailles

Nachdem wir vom Gipfel wieder ein Stück zum letzten Abseilstand abgeklettert waren, begann eine Abseiltour durch Gelände, das zum Seilabziehen schlecht geeignet war. Beim letzten Mal Abseilen passierte es dann auch: das Seil verklemmte sich auf einem Absatz und ließ sich nur persönlich von Chuck wieder lösen, der noch einmal mehrere Meter auf den Absatz hochklettertern musste.
Der Rückweg von unserer Abseilstelle zum Einstieg ging über rutschiges, sandiges und staubiges Geröll. Der Geröllstaub färbte unsere Schuhe weiß und gab immer wieder einfach nach, wobei wir jedes Mal wegrutschten.

Um 19:45 waren wir zurück am Einstieg und fanden die Reste von Chucks T-Shirt. Als wir eine Weile später das Auto erreichten und es ins Dorf geschafft hatten, waren natürlich alle Läden geschlossen und wir mussten uns mit den Resten vom Vortag und ein wenig Baguette zufrieden geben. Die Organisation unserer Lebensmitteleinkäufe wollte diesen Urlaub einfach nicht gelingen.

 
 
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